30.03.2015

Was mein Leben reicher macht ::8::


Die Freundin, zu der ich jetzt gern einmal nach links quer durch Deutschland die über fünfhundert Kilometer fahren würde, um sie ganz, ganz fest in den Arm zu nehmen. Weil sie mir am Donnerstag schon zum dritten Mal mit ihrer Überraschungspost in diesem Jahr eine solche Freude gemacht hat, dass ich ihr gern ein Mal davon eine fotografische Momentaufnahme schicken würde.

Als wir nach meinem Heimkommen zum Zahnarzt müssen, schnappe mir den Brief und lese genüsslich während wir warten die Kalenderblätter des Zeit-Kalenders mit wunderbaren "Was mein Leben reicher macht"-Einsendungen.

Sie sind diesmal alle besonders schön, aber ein Text schafft ganz große Emotionen:

"Als Jungverliebte haben meine Frau und ich eine Tradition gegründet, die unser Leben bis heute (wir sind in den sechzigern) reicher macht: Abend für Abend bin ich ihr Vorleser, während sie strickt oder häkelt. Hunderte von Büchern haben wir so schon gemeinsam gelesen. In unzählige Pullover sind unsere Geschichten mit hineingearbeitet.

Werner Specht, Graz, Österreich"

Danke Herr Specht.


Und danke vorallem, du Beste - DAS sind immer wahre Herzhüpfermomente, die beim aus dem Briefkastenholen und dem anschließenden Genießendürfen deiner lieben Post entstehen!

23.03.2015

Was mein Leben reicher macht ::7::


Kindermund.

Sonntagnachmittag.
Das kleine Kind ent::packt seinen Ranzen und ent::deckt dabei zu seinem Schreck die unausgeräumte Brotbüchse vergangener Tage.

Um den Schrecken zu vertreiben und Mutters eventueller Meckertirade vorzubeugen kommt er in die Küche gehüpft ::tadaaaa:: und ruft mit freudig anpreisender Stimme:

"Möchte jemand von euch kiwige Pelzis haben???"

Die Meckertirade hat er damit auf jeden Fall in atemberaubendes Lachen verschwenkt.
Danke mein Kind, das war es wert!

Bildquelle: http://fruitsbenefits.com/health-benefits-of-kiwi/

Einen schönen Montag mit ebensolchen Glückshüpfermomenten wünsch ich euch!


21.03.2015

Bevor der Tag erwacht.


Verdrängt sich der Schlaf.
Und dann ::

Vorfrühlingsabend. Lichter Wolken Reihn ...

Vorfrühlingsabend. Lichter Wolken Reihn
Ziehn übers Land mit zarter Helligkeit.
In allen Dingen ist ein blasser Schein,
Der seltne Reize den Gewohntem leiht.

Es ist, als lebte jeder kahle Baum.
In dem Geäste webt ein dünnes Licht,
Gleich kühlen Schleiern hängt es in jedem Raum,
An alter Häuser welkem Angesicht.

In sonntagsstillen Gassen. Manchmal geht
Der kleinen Fenster ens, das eingeschmiegt
In windbewegte, frühe Blumen liegt.
Und läßt den Abend ein, und schließt sich spät.

Georg Heym

Raureif.
So ganz früh am Morgen.
Funkelsterneglitzern.


Schönes Wochenende.
So früh am Morgen.
Und für den Rest.
Für euch!

Den Himmel für Katjas Sammlung.

09.03.2015

Was mein Leben reicher macht ::6::



Das kleine Kind hatte sich letztwöchentlich - pünktlich zum Urlaub der Großeltern - mit einer fetten Grippe eingedeckt, die mich aufgrund der fiesen "Nebenwirkungen" veranlassten, mit dem kleinen Mann zum sonntäglichen Bereitschaftsdienst zu kutschieren.
Ich kam also eine Woche lang nur zu den "Das Hundekind muss gelüftet werden!"-Zeiten aus dem Haus, wenn das große Kind ein Auge auf den kleinen Mann werfen konnte und mich im Notfall verständigte.

In das kleine Kind war nicht viel hineinzubekommen.
Essen gar nicht.
Trinken nur ganz wenig.

Aber Orangensaft frisch gepresst ging.

Und da ich dies gleich noch am Sonntag ausprobiert und in den Farben für ganz berauschend befunden hatte, steht die Orange stellvertretend für den Hauch Extra-Vitamin-C in seiner reinen, gesunden Form, den man sich wahrlich auf der Zunge zergehen lassen sollte.

Fein auch zum Makromontag von Steffi!





05.03.2015

donnerstags°°°strukturen°°°


Ich habe zu kirchlichen Institutionen eine ganz eigene Haltung, mein Glauben passt in keine vorgefertigte religiöse Richtung und Gotteshäuser betrete ich zugegebenermaßen nur zu Weihnachten oder aus architektonischem Interesse.

Letzteres führte mich vergangene Woche mit meinen Kollegen nach Leipzig, in die wohl berühmtberüchtigste Langzeitbaustelle, die man sich neben der in Dresden allmächtig umstrittenen Waldschlösschenbrücke, vorstellen darf - die Paulinerkirche.



Ach nein, sie ist ja gar keine Kirche mehr, sondern Andachtsraum und Aula. Und soll in jener Zukunft, in der die Räumlichkeiten dann irgendwann genutzt werden, Paulinum heißen.

Mal davon abgesehen, dass es in jeder Hinsicht zwiespältige Gefühle hervorruft, ein ehemaliges Gotteshaus unter mehreren Etagen verschiedener Seminar- und Büroräume zu wissen, die - ich suche noch nach einem Zusammenhang - nicht von den Theologen sondern von Mathematikern und Informatikern genutzt werden, so verpufft der Gedanke an Kirche und alle Göttlichkeit, wenn man im Inneren steht und den Gesamtraum durch zwei verschiebbare kirchraumhohe Acryltüren getrennt sieht.

Die Begründung liegt ganz pragmatisch in der kommenden Nutzung in Form von Aula und Andachtsraum.
Weil Studenten, Musiker, tanzende Menschen so viel schwitzen.
Und diese Luft mal eben umlufttechnisch hinausbefördert werden muss.
Aber nur aus dem Teil, in dem sich die Aula befindet.
Der Andachtsraum wird natürlich belüftet.
Deshalb die Trennung.
Eine Kirche, die also keine mehr sein wird.
Damit könnte man leben, wenn nicht Millionen von Steuergeldern dahingehend zerfließen würden, dass in jahrelanger Arbeit ein Raum geschaffen wird, der alles besitzt, was eine Kirche ausmacht - geprägt in neuarchitektonischer Handschrift - der jedoch eine völlig andere Funktion erfährt. Weil das seit 1543 so ist.

Von wegen form follows function.

In diesem Gebäude und Verworrenheitskonstrukt hinter den Kulissen weiß man nicht so recht, wer wem oder was folgt. Manchmal meint man das Gefühl zu haben, Hauptsache schick. Hauptsache von einem Stararchitekten.

Dass Erik van Egeraat zuvor noch keine Kirche gebaut hat, ist nicht schlimm. Seine öffentlichen (Museums)Bauten zeigen, dass er architektonische Größe besitzt und in der Lage ist, diese auch umzusetzen.
Manchmal steigt Größe aber auch zu Kopf.
Denn dass er Dinge durchsetzen wollte, die allen Statikern - bis auf den hauseigenen versteht sich - das blanke Kopfschütteln zwischen die Schultern treibt, kostet. Eine ungeplante doch abzuhängende Rabitzdecke zahlt man zweifach. Zum einen bei der Erstellung, zum anderen im fetten Rechtstsreit mit dem Architekten.
Weil Größe ab und an zu Kopf steigt.


Obgleich im Inneren - im menschlichen wie architektonischen Gefüge - ein steter Kampf um eine Kirche stattfindet, die doch keine sein darf, so hat das Gebilde an sich, und das rein aus ästhetischen Gesichtspunkten, hier und da Ecken und Kanten, die das Auge erfreuen.

Oder wie es der Kollege so schön sagte: "Du nimmst das wahr, woran die anderen einfach nur vorbeilaufen."

Stimmt.

donnerstags°°°strukturen°°° zum Beispiel.
Erinnern an Lochkarten von anno dazumal.
Finde ich.


Der Blick für Michaelas Mustersammlung, den ich heute etwas verspätet noch herrüberschicke, den fand ich ebenso am Paulinum: Vermusterung der Ornamente.




Übrigens.
Leipzig wäre noch immer - müsste ich aus Dresden weg - Heimat erster Wahl.
Geliebte Stadt, ich komm nochmal in Ruhe wieder.

PS: Vielleicht ist es doch gar nicht so schlecht, dass die Informatiker hoch oben wandeln. So bekommen sie doch ab und an etwas von ihrer Umwelt mit.